Beatport Artist Account

Aus irgendeinem Grund hat Beatport meinen persönlichen Account in einen Artist-Account geändert und das teste ich jetzt mal kurz hier.

#rp15 Nachklapp: spotify und “die Musiker”

Warum “wir” Musiker spotify verfluchen sollten, war mir nach der Talkrunde auf der re:publica nicht so richtig klar. Letztlich lief die Diskussion auf schlechte Monetarisierung von plays hinaus, was ich selbst insgesamt als langweilig und vorhersagbar empfunden habe. Die interessantesten Statements stammten von Marie-Luise Heimer und Maurice Summen, Philip Banse hat beide glücklicherweise anschließend interviewt, die eigentliche Diskussionsrunde ist nicht online (siehe letzter Eintrag). Ich selbst habe spotify noch nicht viel benutzt, bin eher der konservative mp3-Käufer (iTunes, beatport, bandcamp vor allem) und schaue dort nur ab und zu vorbei, dann meist auch nur aus Neugierde, welche unserer Tracks dort vor allem angehört werden.

Wenn ich zur Diskussion hier etwas beizutragen habe, dann aus Sicht der Clubkultur/der elektronischen Musikszene, bei anderen Genres mag das anders aussehen. Für “uns” ist die Veröffentlichung von Musik, egal auf welcher Plattform, im Moment ohnehin vor allem Selbstzweck. Wir wollen Musik schnell und unkompliziert weltweit veröffentlichen, unter die Leute bringen und für unsere Gigs und Auftritte werben. Wenn ich mir meine Abrechnungen so ansehe, sind die Einnahmen über streaming sicherlich gering. Pragmatisch betrachtet macht spotify den Kohl aber auch nicht fett, beziehungsweise mager, abgesehen davon, dass die Ausschüttung letztlich auch von Deals zwischen Labels und Künstlern abhängt, was wenig thematisiert wird. Wir produzieren in der Regel keine CDs, über die im Moment noch viel Umsatz gemacht wird. Das Album ist für uns ohnehin ein im Wesentlichen uninteressantes Konzept, beziehungsweise unsere Alben heißen DJ-Sets.

Einnahmen direkt durch Verkauf bzw. Streaming unserer Veröffentlichungen sind für uns also schlicht nicht entscheidend. Es ist aus meiner Sicht vielmehr der Player, der einen Unterschied macht. Sogar iTunes ermöglicht es, Musik aus einer großen Zahl von Quellen und Formaten zusammenzustellen, nicht nur Tracks, die durch die Kasse des iTunes Store gezogen wurden (hoffen wir, dass das nicht passiert via Apple streaming). Will sagen: falls “wir” Spotify verfluchen, dann, weil es die Nutzer über den proprietären Player und ein geschlossenes System von der Bootleg-, Mashup- oder Edit-Szene sowie alternativ lizensierter oder verschenkter Musik ausschließt, die für viele Leute im Moment ein Weg ist, Musikproduktion auszuprobieren und sich ein Publikum zu erspielen.

Diese Stücke gehören auch zu unserem Werk, wir spielen sie in unseren Sets und sie sind, nur weil wir sie verschenken und/oder weil sie nicht auf spotify oder beatport sind, nicht weniger wichtig für uns.

Sie sind auch deshalb so spannend, weil im Moment ein wachsender Teil der Musik, die im Radio läuft, aus dem musikalischen dark web (sorry) kommt, also als Bootleg angefangen hat. Hier ist Robin mal wieder das beste Beispiel. Das dürfte auch ein Grund sein, warum es keine “Spotify-Stars” gibt. Diese kommen im Moment schlicht zu einem großen Teil aus der Szene der Bootlegs und Edits. Deshalb wird spotify langweilig bleiben, weil die Musik dort eben schon eine Zurichtung durch die Kulturindustrie erfahren hat, jedes clearing und jeder hype bereits passiert ist.