Technologietag 2012: epOs Verlag und #openaccess

Gestern war “Technologietag” in Osnabrück. Unser epOs Verlag präsentierte sich dort – nebenan der Stand des Zentrums für Informationsmanagement und virtuelle Lehre der Uni Osnabrück virtUOS. Wir gehörten sicherlich zu den am wenigsten frequentierten Ständen. Dass Roboter, die eigenständig Blumen gießen können, für das Publikum interessanter sind als ein Verlag für musikwissenschaftliche Literatur oder ein System zur Aufzeichnung und öffentlichen Zugänglichkeit von Seminaren und Vorlesungen, ist klar. Ich will auch gar nicht jammern, sondern nur kurz für einen Verlag, der die Zeichen der Zeit früh erkannt hat und open access seit Jahren propagiert, Werbung machen (zur aktuellen Debatte um Verlage, Publikationen und #openaccess bitte bei Sebastian weiterlesen). Nur pdfs kann man leider noch nicht direkt kaufen…

Was will epOs?

Wissenschaftliche Information wird von Wissenschaftlern produziert und sollte möglichst kostengünstig und ökonomisch für die Wissenschaft genutzt werden können. epOs-Music stellt Publikationen über Musik preisgünstig, schnell und global im Internet zur Verfügung. Gebühren und Buchpreise dienen lediglich zur Deckung der Kosten, die durch Produktion, Bearbeitung, Wartung, Service und Versand entstehen.

Zum Beispiel eine unserer neuesten Publikationen: Heiko Wandler: Technologie und Sound in der Pop- und Rockmusik. Bald auch komplett online einsehbar…

Kirchenorgel und Cyber-Instrumente

Die Unterscheidung von natürlichen und technischen Instrumenten ist, wie hier mittlerweile dargestellt wurde, eine künstliche, eine normative Unterscheidung. Instrumente sind Musikmaschinen auf dem Stand der jeweiligen technischen Möglichkeiten der Gesellschaft. Die Zusammenhänge zwischen modernen Cyber-Klangerzeugern und traditionellen Instrumenten sind dabei aber noch weitaus verwobener, was hier am Beispiel der Modularisierung gezeigt werden soll.

Modularisierung

Ein charakteristisches Merkmal der Instrumentenentwicklung ist die Modularisierung. Der sprichwörtliche Modulsynthesizer etwa ist und war immer ein Baukasten, der beispielsweise aus Oszillator, Modulator, Verstärker und Filter (als nur eine mögliche Ausprägung) besteht und seine Klaviatur wohl hauptsächlich aus ökonomischen Gesichtspunkten verpasst bekam, sie kann ja prinzipiell auch ausgelassen werden, wie hier mittlerweile beschrieben wurde. Bernd Enders charakterisiert die Modularisierung, die Klangerzeugung und Klangsteuerung voneinander löst, folgendermaßen:

Durch die Elektrifizierung und Elektronifizierung der Instrumente entfällt endgültig der technische Zusammenhang zwischen Klangerzeugung und Klangsteuerung, zwischen Generator und Controller. Das Interface, das den musizierenden, also den klangsteuernden Menschen mit den klangerzeugenden (oder klangverändernden) Modulen eines Instruments, also zum Beispiel den Oszillatoren (oder Filtern) eines Synthesizers verbindet, kann völlig beliebig gestaltet werden. (Enders, Bernd: Mathematische Musik – musikalische Mathematik. S.27)

Klang und Haptik eines Instruments müssen demnach getrennt voneinander gedacht werden, in Folge wird eine Taxonomie dieser neuen, modularen Instrumente sehr schwierig. Die Instrumentenkunde steht vor großen Herausforderungen.

Virtuelle Instrumente in geistlicher Tradition

Virtuelle Instrumente stehen im Grunde in der Tradition konventioneller, modular aufgebauter Synthesizer. Vielfach sind sie rein klanglich eng an große, analoge Vorbilder des RL (real life) angelehnt und weisen eine detailgetreue optische Nachbildung der Originale auf. Zudem sind sie offen für verschiedenste Interfaces wie Computertastatur und Maus, MIDI-Keyboard, Bandmanual und ähnliches. Michael Harenberg zeigt in seinem Essay “Von der Orgel zum Cyber-Instrument” auf, dass wiederum die Kirchenorgel als Vorläufer dieser frühen, analogen Modulsynthesizer gesehen werden kann, denn bereits sie ist ein fortgeschritten modulares Instrument. Er kennzeichnet damit virtuelle Synthesizer als rezente Ausprägungen modularer Instrumente, deren Entwicklung bis zur Kirchenorgel zurückreicht. Wieder mal aus dem Archiv des Lüneburger Audio-Servers.

Entscheidend ist die Trennung von Spieltisch als „Interface“ und dem „Instrument“. Die Bedienungseinheit wird historisch erstmalig unabhängig vom Klangkörper inszeniert, ein Denken in der Trennung von „Komposition“ „Klang“ und seiner Erzeugung, welches nach 1945 in der Elektronischen- und Computermusik sowie im Parameterdenken der seriellen Ästhetik höchste Aktualität erlangen sollte. Gleiches gilt ähnlich für automatische Musikinstrumente in der Trennung von „Antrieb“, „Informationsspeicher“ und klingendem Instrumentarium bis zu den computerisierten Instrumenten unserer Zeit. (http://audio.uni-lueneburg.de/texte/harenberg_virtuell.pdf, S.4)

Weiterlesen:

Es sei hier auf ein 1930 erschienenes Werk von Leo Kestenberg hingewiesen, ein Pionierwerk der Auseinandersetzung mit dem Thema “Kunst und Technik”. Es ist – neben vielen anderen interessanten Werken –  zu bestellen oder gratis online einsehbar bei unserem Universitätsverlag epOs.

Hier ein Link zu einem Essay über Instrumenten-Design von Johannes Kreidler, Hinweis kam per Mail, danke dafür.