The Restless Machine wird sich vor allem zwei Themen widmen, die beide im Zentrum von Diskussionen der neueren Instrumentenkunde stehen.
1. Das Interface.
Die fortschreitende Modularisierung von Musikinstrumenten. Modularisierung ist eine der wichtigen Phasen in der Entwicklung elektronischer Instrumente und hat ihren Anfang nicht erst mit den sprichwörtlichen modularen Synthesizern der 60er Jahre.
Was bedeutet Modularisierung?
Die Modularisierung brachte letztlich die vollständige Trennung von klangerzeugenden Elementen des Instruments (dem Generator) und dem klangsteuernden Element (dem Interface). Beide Teile lassen sich unabhängig voneinander gestalten. Der klassische, analoge Synthesizer hat zwar als Interface meist eine Klaviatur, diese ist aber nur eine – wenn auch populäre – Methode zur Klangsteuerung. Schon früh in der Entwicklungsgeschichte elektronischer Musikinstrumente sind andere Interfaces zum Einsatz gekommen, zum Beispiel beim in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelten Trautonium, dessen Klang durch die Verwendung im Soundtrack von Hitchcocks Die Vögel weltberühmt wurde. Das Trautonium verfügt über zwei über eine Metallschine gespannte Drähte, so geannte Bandmanuale, die mit dem Finger berührt und auf die Metallschine heruntergedrückt wurden. Auch Bob Moog entwickelte für seine Synthesizer Bandmanuale, die Klaviatur setzte sich als Eingabegerät allerdings durch und ist heute so weit verbreitet, dass in Vergessenheit zu geraten scheint, dass Klang auch ganz anders gesteuert werden kann. Das Bandmanual ist als solches eher eine Art Kuriosum geworden und nur noch wenig zu sehen, im verlinkten Video wird es von Radiohead eingesetzt: Cymbal Rush (das Stück ist im Original auf Thom Yorkes Soloalbum “The Eraser” zu finden). Die modernen Controller “Kaoss Pad” oder “Kaossilator” von Korg stehen mit ihrem berührungssensitiven XY Pad in der Tradition des Bandmanuals, das im Prinzip als eindimensionaler Touchscreen gedacht werden kann.
Die Fixierung auf die Klaviatur als Interface für elektronische Instrumente (auch für den Computer als Multiinstrument) ist eine Hürde für den Einstieg von Nicht-Pianisten in die elektronische und elektroakustische Musik. Neue Interfaces sind gefordert.
2.Virtualität
Die Virtualisierung von Musikinstrumenten, oder präziser gesagt, ihre teilweise Verlagerung in den Cyberspace, ist das zweite große Thema des Weblogs. Der Umgang mit vollständig modularen, neuerdings größtenteils virtuellen Klangerzeugern führt uns vor Augen, wie dringend Instrumentenkunde neu gedacht werden muss. Doch dazu später mehr.