Nuria Schönberg-Nono über Nono-Aufführungen

Wenn ein Mozart schlecht aufgeführt wird, gibt man dem Dirigenten die Schuld – denn alle kennen das Stück und wissen, wie es eigentlich klingen müsste. Wenn aber ein Nono schlecht aufgeführt wird, halten die meisten den Komponisten für schlecht. (hier)

Apple Music Connect?

Habe mir kurz Apple Music Connect angeschaut. Accounts für Artists gibt es nur über iTunes Connect, das wiederum für Labels/Distributoren gedacht ist.

Podcast-Projekt »Resonanzen«

In diesem Semester gebe ich an der Universität Osnabrück ein (Praxis-) Seminar über Podcasting & Musik. Ich habe mir etwas Webspace beim Rechenzentrum organisiert, ein WordPress-CMS mit dem Plugin Podlove Podcast Publisher aufgesetzt (eine Kombination, die bewährt ist und die ich nur empfehlen kann) und so den Podcast »Resonanzen« ins Leben gerufen. Die erste Folge wurde von mir gestaltet, ich habe mit Christian Grothe über Kunstkopfmikrofonie gesprochen und bin darüber hinaus sehr gespannt, was die Studierenden für Episoden beisteuern werden.

headless #2

https://www.resonanzen.uni-osnabrueck.de/2015/06/res001-kunstkopfmikrofonie/

#rp15 Nachklapp: spotify und “die Musiker”

Warum “wir” Musiker spotify verfluchen sollten, war mir nach der Talkrunde auf der re:publica nicht so richtig klar. Letztlich lief die Diskussion auf schlechte Monetarisierung von plays hinaus, was ich selbst insgesamt als langweilig und vorhersagbar empfunden habe. Die interessantesten Statements stammten von Marie-Luise Heimer und Maurice Summen, Philip Banse hat beide glücklicherweise anschließend interviewt, die eigentliche Diskussionsrunde ist nicht online (siehe letzter Eintrag). Ich selbst habe spotify noch nicht viel benutzt, bin eher der konservative mp3-Käufer (iTunes, beatport, bandcamp vor allem) und schaue dort nur ab und zu vorbei, dann meist auch nur aus Neugierde, welche unserer Tracks dort vor allem angehört werden.

Wenn ich zur Diskussion hier etwas beizutragen habe, dann aus Sicht der Clubkultur/der elektronischen Musikszene, bei anderen Genres mag das anders aussehen. Für “uns” ist die Veröffentlichung von Musik, egal auf welcher Plattform, im Moment ohnehin vor allem Selbstzweck. Wir wollen Musik schnell und unkompliziert weltweit veröffentlichen, unter die Leute bringen und für unsere Gigs und Auftritte werben. Wenn ich mir meine Abrechnungen so ansehe, sind die Einnahmen über streaming sicherlich gering. Pragmatisch betrachtet macht spotify den Kohl aber auch nicht fett, beziehungsweise mager, abgesehen davon, dass die Ausschüttung letztlich auch von Deals zwischen Labels und Künstlern abhängt, was wenig thematisiert wird. Wir produzieren in der Regel keine CDs, über die im Moment noch viel Umsatz gemacht wird. Das Album ist für uns ohnehin ein im Wesentlichen uninteressantes Konzept, beziehungsweise unsere Alben heißen DJ-Sets.

Einnahmen direkt durch Verkauf bzw. Streaming unserer Veröffentlichungen sind für uns also schlicht nicht entscheidend. Es ist aus meiner Sicht vielmehr der Player, der einen Unterschied macht. Sogar iTunes ermöglicht es, Musik aus einer großen Zahl von Quellen und Formaten zusammenzustellen, nicht nur Tracks, die durch die Kasse des iTunes Store gezogen wurden (hoffen wir, dass das nicht passiert via Apple streaming). Will sagen: falls “wir” Spotify verfluchen, dann, weil es die Nutzer über den proprietären Player und ein geschlossenes System von der Bootleg-, Mashup- oder Edit-Szene sowie alternativ lizensierter oder verschenkter Musik ausschließt, die für viele Leute im Moment ein Weg ist, Musikproduktion auszuprobieren und sich ein Publikum zu erspielen.

Diese Stücke gehören auch zu unserem Werk, wir spielen sie in unseren Sets und sie sind, nur weil wir sie verschenken und/oder weil sie nicht auf spotify oder beatport sind, nicht weniger wichtig für uns.

Sie sind auch deshalb so spannend, weil im Moment ein wachsender Teil der Musik, die im Radio läuft, aus dem musikalischen dark web (sorry) kommt, also als Bootleg angefangen hat. Hier ist Robin mal wieder das beste Beispiel. Das dürfte auch ein Grund sein, warum es keine “Spotify-Stars” gibt. Diese kommen im Moment schlicht zu einem großen Teil aus der Szene der Bootlegs und Edits. Deshalb wird spotify langweilig bleiben, weil die Musik dort eben schon eine Zurichtung durch die Kulturindustrie erfahren hat, jedes clearing und jeder hype bereits passiert ist.

Auf das Einstellen einstellen

Ich habe bei Logbuch Netzpolitik einen kleinen Kommentar über “die Musikindustrie” geschrieben, aus aktuellem Anlass quasi:

Abseits von Gorny hier eine kleine Anekdote über die „Musikindustrie an sich“.
Ein ziemlich großer Youtube-Channel mit elektronischer Musik (House etc.) hat angefragt, einen Track von mir/uns bei ihnen hochladen zu dürfen. Wir freuen uns total, dass denen das Stück so gefällt und halten das für eine tolle Verbreitungsmöglichkeit und Werbung für die gerade veröffentlichte Single. Die Channels schalten dann Werbung vor die Videos (was mich zwar stört, worauf ich mich aber einlassen kann) und verdienen also auch an der Veröffentlichung – man soll eine entsprechende submission form ausfüllen und diese Praxis erlauben. Wenn man bei Warner unter Vertrag ist, geht das allerdings nicht so einfach, denn dieser Channel agiert ja quasi als eine Art eigenes Label, das unsere Musik veröffentlicht und dies auch monetarisiert. Ich musste also erst Rücksprache mit Management und Label halten – und war entsprechend pessimistisch, bzw. dachte schon, ich hätte das besser ohne Kenntnis von Warner einfach erlaubt, man ist ja durch den in großen Teilen Kultur(Industrie)pessimistischen Netzdiskurs da schon entsprechend geprimed. Und ich habe sicherlich auch schon Dinge mit diesem System erlebt, die Skepsis rechtfertigen.
Nach drei, vier Tagen allerdings war die Sache geregelt und das Musikstück kann online gehen (ob/was für Vereinbarungen da hinter unserem Rücken getroffen wurden, weiß ich allerdings nicht, versuche aber mal, das herauszukriegen). Es ist dann für diese Kanäle auch kein Problem, auf eine Whitelist und so an den automatischen Abmahnsystemen vorbei zu kommen.
Vorsichtige Prognose: Die Musikindustrie™ hat in Teilen erkannt, was für eine großartige Werbung es für ihre Produkte sein kann, wenn Musik im Netz geteilt wird. Robin Schulz macht ja auch gerade allen vor, wie das laufen kann. Auch er hat mit (illegalen) edits und mashups hier um die Ecke im Osnabrücker Underground (LOL) angefangen, jetzt ist er weltweit ein Popstar. Diese Industrie beginnt also, sich auf neue Umstände einzustellen [hier bei Bedarf passendes Adorno-Zitat einfügen]. Das sollten wir™ begreifen und uns wiederum darauf einstellen.
Etwas anders gelagertes Thema, aber verwandt: auch die C3S will die GEMA nicht meucheln. „Der Mord fällt aus“ (29C3), was viele offenbar allzu schade finden.